Anekdoten und Begebenheiten

Finden Sie hier eine Auswahl an kuriosen, lustigen und verblüffenden Informationen über tatsächliche Begebenheiten auf dem Königstein.

Riesenfass

... 2498 Hektoliter oder 249.800 Liter oder 249,8 m³ Wein ...

Die Riesenfässer waren das Ergebnis eines Wettstreites zwischen dem Kurfürsten von der Pfalz und dem sächsischen Kurfürsten. Im Jahre 1586 besaß der Pfälzer ein Weinfass mit 1185 Hektoliter Inhalt. Darauf entstand auf der Festung 1624 das erste Fass mit 1450 Hektoliter Fassungsvermögen.
 
Das ließ dem Pfälzer keine Ruhe, und es wurde 1666 dort ein Fass mit 1651 Hektoliter Inhalt gebaut. Das zweite Königsteiner Fass wartete daraufhin mit einem Inhalt von 2235 Hektolitern auf.

Da dieses Fass von 1680 bald zerfiel, entstand eben jenes dritte 1725 mit einem Volumen von 2498 Hektolitern. Es war groß genug, um ein Tanzpodium zu tragen, auf dem dreißig Paare tanzen konnten. Erst 1851 wurde vom Heidelberger Schloss wieder ein Fass gemeldet, das 2124 Hektoliter fasste und dort heute noch zu sehen ist. Das Fass auf dem Königstein, das nie mit Wein gefüllt worden war, musste 1818 wegen Baufälligkeit wieder entfernt werden.

Abratzky

Die Festung wurde nie eingenommen, zu sehr hatte sie nach dem Ausbau durch Kurfürst Christian I. einen abschreckenden Ruf. Lediglich der 18-jährige Schornsteinfeger Sebastian Abratzky, aus Mahlis bei Oschatz, beschloss im März 1848 völlig mittellos und damit ohne jede Möglichkeit den Königstein zu besichtigen, den Tag mit dem Besteigen des Königsteins zu verbringen. Er kletterte in einem dreistündigen Alleingang ohne jegliche Bergsteigerausrüstung an einer steilen und ungewöhnlichen Seite die Festung hinauf. Vom Posten wurde er sogleich in Empfang genommen und dem Kommandanten vorgeführt. Als "Dank" für seine beachtliche bergsteigerische Tat erhielt der Schornsteinfeger zwölf Tage Arrest.

Abratzky, der damals in Königstein am Bahnlinienbau Dresden-Bodenbach beschäftigt war, schrieb seine Erlebnisse in einem Heftchen nieder, zog durch das deutsche Land und lebte vom Erlös des Heftchens, bis er 66jährig in Dresden starb.

Die Stelle seiner Festungseroberung zwischen dem dritten Wachturm und der Königsnase wird seither Abratzkykamin genannt und kann noch heute beklettert werden (Schwierigkeitsgrad IV nach der sächsischen Schwierigkeitsskala), wobei man sich, oben angekommen, aber wieder abseilen muss, da das Übersteigen der Festungsmauer verboten ist.

Schallschießen

Zu damaligen Zeiten hat man auf der Festung, sobald hoher Besuch zugegen war, mit Kanonen in das Umfeld geschossen und gewartet bis der Schall wieder zum Abschussort zurück kam.

So versuchte jeder Herrscher auf seine Weise, neben den legendären, berauschenden Festen, seine Gäste zu beeindrucken.

Lilienstein

1708 erstieg August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, den Lilienstein und ließ dazu Stufen auf der Südseite schlagen. Ein heute verschwundener Obelisk an der Ostseite erinnert an diesen denkwürdigen Moment. Aus Anlass des 800-jährigen Bestehens des sächsischen Herrscherhauses der Wettiner wurde 1889 ein 16 m hoher Obelisk als Gedenksäule errichtet. Er gleicht in der Form etwa einer Kursächsischen Postmeilensäule.

Die Legende erzählt, dass August der Starke ein rauschendes königliches Fest auf dem Königstein feiert. Es wurde viel getrunken, gegessen und gescherzt. Leichtsinnig vor Trunkenheit verschenkte August den Tafelberg Lilienstein, der sich auf der gegenüber liegenden Elbseite des Königsteins befindet, an keinen geringeren als den preußischen König Friedrich Wilhelm I. Am nächsten Morgen erkannte August seinen schwerwiegenden Fehler und suchte nach einer Lösung für sein Problem. Da kam Festungskommandant Kyaw die glorreiche Idee. Der Lilienstein sei binnen vier Wochen nach Preußen zu bringen, da man den Platz brauche. Da dies für den Preußenkönig unmöglich war, gab er das gutmütige Geschenk wieder zurück und das Problem war gelöst.

Pagenbett

In den Räumen der Friedrichsburg wurden zur damaligen Zeit intime Feste gefeiert, daher auch der Name Lustschlösschen. Nach einem solchen Fest soll 1675 der Page Heinrich von Grunau im berauschten Zustand durch ein Fenster hinabgestiegen sein, um sich gleich darunter auf einer schmalen Felsbrüstung zum Schlafen niederzulegen. Der Kurfürst Johann Georg II., der das erfuhr, nahm dies zum Anlass für eine besondere Attraktion für seine Gäste. Er ließ den Pagen heimlich festbinden und danach mit Pauken und Trompeten wecken. Welch Vergnügen für die "erlauchten" Zuschauer!

Dieser Fassung der Pagenbett-Geschichte wird eine andere, glaubwürdigere gegenübergestellt, an deren Verbreitung wahrscheinlich der sächsische Hof kein Interesse hatte:

So soll in der Friedrichsburg eine hübsche Kammerzofe gewohnt haben, die oft Besuch empfing. Als eines Tages gerade der Page zu Besuch bei ihr war, klopfte es, und auch der Kurfürst begehrte nachdrücklich Einlass. Dem armen Pagen, der nicht entdeckt werden durfte, blieb nichts anderes übrig, als den Weg durch das Fenster zu wählen. Der Aufenthalt Johann Georgs II. muss länger gedauert haben, denn der auf dem Felsvorsprung wartende Page wurde müde und schlief ein. Seit dieser Zeit heißt diese Stelle das Pagenbett.